Für mehr Freiräume in Köln – Gegen verkürzte Kapitalismuskritik

Wir dokumentieren an dieser Stelle ein Flugblatt, welches von uns anlässlich einer Freiraum Demo in Köln am 31. Januar verteilt wurde. (Da es einige Fragen bezüglich des Textes gab: Das Flugblatt richtet sich nicht gegen die Pyranha Kampagne, sondern weist auf mögliche falsche Kapitalismusritik hin, die bei Freiraumkämpfen aufkommen kann sowie an Menschen die zu illusionäre Vorstellungen von Freiräumen haben.)

Für mehr Freiräume in Köln – Gegen verkürzte Kapitalismuskritik

Heute wird in Köln für ein autonomes Zentrum demonstriert. Dies ist erst mal begrüßenswert, da ein Freiraum in Köln aus politischer sowie kultureller Sicht durchaus nötig ist. Jedoch gilt es bei solchen Forderungen zu beachten was ein Freiraum sein kann – und was nicht.

Das Verständnis vom Charakter eines Freiraums ist oft unterschiedlich oder überhaupt gar nicht richtig definiert. Für viele steht meistens nur fest, dass ein Freiraum etwas ist, wo keine Unterdrückungsmechanismen wie Rassismus oder Sexismus herrschen oder man sogar frei vom Kapitalismus sei. Doch ein solches Verständnis von dem Konzept eines Freiraums ist falsch und greift zu kurz. Das ein Freiraum zwar etwas ist, indem Herrschafts – und Unterdrückungsverhältnisse die der Kapitalismus immer wieder neu produziert, möglichst gering gehalten werden können mag stimmen, jedoch bleibt jedes autonome oder soziale Zentrum letztendlich ein Teil des Kapitalismus. Auch im Freiraum kosten Dinge wie Essen oder Bier Geld (auch wenn möglicherweise weniger als anderswo), und sind somit Waren die getauscht werden. Auch kann ein Freiraum keinen wirklichen Schutz vor staatlicher Repression bieten, da er letztendlich auf eine Tolerierung vom Staat angewiesen ist. Somit ist innerhalb des Kapitalismus nicht möglich, sich in einem Freiraum von Staat und den herrschenden Verhältnissen zu emanzipieren, sondern sie im besten Fall nur zu reduzieren.¹

Oft mangelt es bei Veranstaltungen für autonome Zentren an theoretischen Grundlagen oder die Theorie verläuft in die falsche Richtung. Die Schuld für die Bedrohung von Freiräumen oder alternativen Stadtvierteln wird in vielen Fällen bei Investoren oder Immobilenmaklern gesehen, die durch angebliche „Stadtaneignung“ die heimische linke Atmosphäre kaputt machen wollen und Platz für „Luxuswohnungen“ schaffen wollen. Ein solch falsches Verständnis von derartigen Vorgängen im Kapitalismus kann nicht die Grundlage von Freiraum Protesten sein. Wenn Städte umstrukturiert werden oder Freiräume zugunsten von Wohnungen o.ä. geräumt werden, liegt das etwa nicht an der Böswilligkeit von Investoren oder Stadträten, sondern an der Struktur des Kapitalismus, die Individuen zu bestimmten Handlungen zwingt. Manager, Investoren, Politiker etc. handeln daher nur nach Prinzipien der kapitalistischen Verhältnisse und nicht aus bösen Willen. So schrieb Karl Marx schon: “Zur Vermeidung möglicher Missverständnisse ein Wort. Die Gestalten von Kapitalist und Grundeigentümer zeichne ich keineswegs in rosigem Licht. Aber es handelt sich hier um die Personen nur (…)um Träger von bestimmten Klassenverhältnissen und Interessen. Weniger als jeder andere kann mein Standpunkt den der die Entwicklung der ökonomischen Gesellschaftsformation als einen naturgeschichtlichen Prozess auffasst, einzelnen verantwortlich machen für Verhältnisse, deren Geschöpf er sozial bleibt, sosehr er sich auch subjektiv über sie erheben mag.“² Ein Antikapitalismus, der also darauf abzielt die kapitalistischen Verhältnisse auf einige Manager zu reduzieren und den Kapitalismus nicht als apersonelles Herrschaftsverhältnis begreift, kann nur falsch sein und ist zudem stark verkürzt. Eine solche Projektion auf einige „böse Kapitalisten“ ist auch dahingehend gefährlich, das daraus schnell struktureller Antisemitismus werden kann. Natürlich ist eine personalisierende Kritik nicht automatisch antisemitisch, strukturell antisemitisch bedeutet, dass die ihr zu Grunde liegenden Erklärungsmuster die selbe Struktur wie die des Antisemitismus aufweist.

Antifaschistische & Kommunistische Gruppe Shutdown aus Köln (www.shutdown.blogsport.de)

¹ Natürlich sind wir uns bewusst, dass dies nur eine rudimentäre Definition eines Freiraums ist, jedoch mussten wir aus Platzgründen auf längere Ausführungen verzichten.
² MEW Bd 23